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Außenminister Wadephul vor seiner Abreise nach Mauretanien, Nigeria und Südafrika
Vor seiner Abreise nach Mauretanien, Nigeria und Südafrika erklärte Außenminister Johann Wadephul heute (20.07.):
Europa und Afrika verbindet mehr als geografische Nähe. Unsere Kontinente sind politisch, wirtschaftlich und in Sicherheitsfragen eng verflochten. Gerade in Zeiten globaler geopolitischer Verwerfungen ist eine verlässliche Zusammenarbeit mit unseren afrikanischen Partnern wichtig. Es geht Deutschland und Europa dabei um mehr als das naheliegende Interesse an einem möglichst stabilen und prosperierenden Nachbarkontinent. Es geht darum, einander Angebote zu machen. Deshalb besuche ich zum dritten Mal innerhalb weniger Monate wichtige Staaten Afrikas.
Mauretanien, Nigeria und Südafrika liegen in drei sehr unterschiedlichen Regionen des afrikanischen Kontinents. Zugleich stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen: Wir alle profitieren von fairen Handelspartnerschaften und frei befahrbaren Seewegen, benötigen eine zuverlässige Versorgung mit kritischen Rohstoffen, wollen die Chancen geordneter Migration nutzen und unsere Lebensgrundlagen gegen Klimawandel schützen. Um die Freiheit der Menschen zu sichern, müssen wir Extremismus und Terrorismus bekämpfen. Eine regelgeleitete internationale Ordnung ist der Rahmen, den wir für unsere Zusammenarbeit brauchen.
Als stabiler Staat in einer sonst hochgradig fragilen Region ist Mauretanien für uns ein verlässlicher Partner. Die Dauerkrise im Sahel stellt das Land vor immense humanitäre und auch Sicherheits-Herausforderungen. Deutschland steht bereit, hier noch stärker zu unterstützen. Denn Stabilität im Sahel liegt ganz klar auch im deutschen und europäischen Interesse. Mauretanien bietet zugleich Chancen für erneuerbare Energien, insbesondere beim Gewinn von grünem Wasserstoff. Mit meinem Besuch möchte ich auch über die Möglichkeiten für vertiefte wirtschaftliche Beziehungen bei Zukunftstechnologien sprechen.
Als bevölkerungsreichstes Land und größter Binnenmarkt Afrikas ist Nigeria ein wirtschaftliches Kraftzentrum und spielt auch in der regionalen Energieversorgung eine Schlüsselrolle. Bereits jetzt ist das Land unser zweitwichtigster Handelspartner in Subsahara-Afrika. Das wechselseitige Potenzial wollen wir weiter ausschöpfen und mehr deutsche Unternehmen ermuntern, den Schritt nach Nigeria zu gehen. Neben seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist Nigeria eine politische Führungsmacht in Westafrika und der Regionalorganisation ECOWAS. Als gefestigte Demokratie, die auf eine stabile internationale Ordnung setzt, hat das Land Gestaltungsanspruch darüber hinaus. Wir wollen unsere Beziehungen systematisch stärken. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich, denn die Spill-Over Effekte der Krise im Sahel betreffen inzwischen alle Küstenanrainerstaaten von Mauretanien bis nach Nigeria.
Südafrika ist seit langem ein Schlüsselpartner für Deutschland auf dem afrikanischen Kontinent. Unsere gemeinsame Wertebasis als Demokratien verbindet uns in besonderem Maße. Mit keinem anderen Staat Afrikas ist die Zusammenarbeit so eng und breit aufgestellt. Deshalb haben wir unsere Beziehungen erst vor einigen Wochen zu einer Strategischen Partnerschaft ausgebaut, mit der wir auch den Dialog in außenpolitischen Fragen vertiefen wollen. Denn die südafrikanische Stimme – als entschiedener Verfechter des Multilateralismus und als einziges afrikanisches G20-Mitglied – hat Gewicht. Mit knapp 600 deutschen Firmen und als bei weitem bedeutendster Handelspartner in Afrika ist Südafrika zudem zentraler Ankerpunkt für die deutsche Wirtschaft. Erhebliche Chancen bestehen insbesondere im Bereich der Energiewirtschaft und der Rohstoffzusammenarbeit. In meinen Gesprächen vor Ort will ich ausloten, wie wir hier weitere Schritte aufeinander zugehen können.
Wenn Krisen, Handelsbeschränkungen und globale Abschottungstrends die internationale Zusammenarbeit auf die Probe stellen, ist es an uns, unsere weltweiten Netze noch enger zu knüpfen – so auch mit wichtigen Partnern auf unserem Nachbarkontinent Afrika. Deutschland steht dabei für internationale Kooperation, wirtschaftliche Offenheit und Verlässlichkeit.